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Der MT10 Rahmen war Anlass für viele Diskussionen. Dafür ist diese Internet-Seite da. Wer etwas besser weiß, als wir, der ist herzlich willkommen und kann so Stück für Stück an unseren Projekten mitarbeiten.

Phönix aus der Asche. Diese M72 entstand in vielen Arbeitsstunden aus Schrott. Wer Spaß an echten Oldtimern hat und nicht dem Preis-Wahn der heutigen Hochglanz-Fetischisten folgen möchte, der ist mit den ganz alten Russen sehr gut beraten.

Eine kleine Horrorgeschichte

Als ich mit meinem Buch »Mit Hammer und Schlüssel« aufhörte, hatte meine Ural bereits viele viele Kilometer auf dem Tacho und ich meinen Wohnsitz teilweise nach Rom verlagert. Da kam mir natürlich der Gedanke, dass ich auch die Ural mitnehmen müsste. Rom und Motorräder waren schon immer eine gute Kombination.
Meine treue M66 mit ihrem 8.104-Motor hatte mich immerhin schon nach Italien, Griechenland, Irland und England gebracht – da war die Idee der »letzten großen Fahrt« nicht unbeding völlig abwegig. Abwegig war aber meine Idee, den alten Motor, der klappernd und ölend noch immer unverändert seinen Dienst weit jenseits der 100.000 km verrichtete, einer Frischzellenkur zu unterziehen. Denn damit begann eine Geschichte, die kaum einer glaubt, der jemals mit einem Motorrad auf Reisen war – außer dem Hannes, der ja dabei war.

Der »neue Motor« bestand also aus dem alten Motor, den ich mit neuen Lagern und Dichtungen versah, aber mit den alten Kolben beließ. Ich weiß, das tut man nicht, aber die Verschleißgrenze war noch nicht überschritten (!) und er lief ja auch noch wunderbar und es war ja doch nur ein Russe – da schaut man nicht so genau hin! Nur das Rumpeln aus dem Kurbelgehäuse wollte ich endlich loswerden. Die Köpfe bekamen gleich neue Ventilsitze und eine neue Führungen für das Auslassventil im rechten Zylinder (die alte war lose).
Seltsamerweise funktionierte meine elektronische Zündung (Typ 1) nach dem Zusammenbau nicht mehr. Seltsam. Nachdem mir zwei weitere Zündboxen durchgebrannt waren, hab' ich kurzerhand auf die alte mechanische Zündung zurückgerüstet. Das funktionierte dann auch tadellos ... fast.

Der neue Motor lief einwandfrei und wurde sogar noch ein wenig eingefahren. Dann war die Ural reisebereits und sollte von Münster nach Rom auf eigenen Rädern überführt werden. Um ehrlich zu sein, die ersten paar Kilometer – von Düsseldorf nach Bozen – legten Hannes mit seiner XT550 und ich mit meiner Ural per Autoreiszug zurück. Sicher ist sicher! Doch bereits auf der Fahrt nach Düsseldorf, das sind runde 120 km von Münster, kam das Rumpeln aus dem Kurbelgehäuse zurück! Nun: Weghören ist besser, als den Zug verpassen ...
Das Rumpeln wurde immer heftiger – aber nur bei gezogener Kupplung. Daher schloss ich auf den Klassiker einer gelockerten Schwungscheibe. Egal, dann eben nicht mehr so oft kuppeln. Geht schon.

Am nächsten Morgen waren wir mit den Mopeds (und einem gewaltigen) Kater in Bozen angekommen und luden die Maschinen ab. Das Hallo der anderen Motorradfahrer mit ihren blitzenden Harleys und BMW-Sofas war natürlich groß, als sie meine Mühle erspähten. Doch leider hatte irgendwer am Gasgriff gespielt und diesen mit Gewalt in die falsche Richtung gedreht. Da dieser Gasgriff von einer Harley Davidson stammt, ist sein Innenleben aus Plastik gefertigt und mag eine solche Behandlung gar nicht. Wie peinlich, ich musste die Ural vom Zug schieben ...
Gemeinsam mit einem freundlichen BMW-Fahrer (Motorrad) hatten wir dann aus allerhand Pfusch-Teilen wie Lüsterklemmen etc. ein Provisorium gebastelt und es konnte endlich losgehen.

Die ersten Kilometer verliefen verhältnismäßig ruhig. Aber als der Lago di Garda langsam in Sicht kam (wir fuhren natürlich nur über kleine Landstraßen), konnte ich mich dem Eindruck, dass der Motor immer lauter wurde, nicht mehr verwehren. Besonders der rechte Auspuff ballerte ungewöhnlich heftig. Egal, ignorieren! Ein Uralfahrer muss vor allen Dingen eines lernen: Immer lächeln – auch wenn die Fuhre gerade unter einem zusammenbricht –, und stets den Eindruck vermitteln, dass alles genauso ist, wie es auch sein soll! Denn ansonsten gibt man nur all denen Recht, die sich zuvor geweigert hatten, mit einem Uralfahrer auf große Fahrt zu gehen, weil sie eben keine Lust auf Schrauberaktionen am Straßenrand haben.

Hannes und ich wurden aber schnell ein eingespieltes Team. Immer wenn ich dachte, gleich raucht die Mistkiste ab, dann hielt ich meine linke Hand nach außen, mit dem Daumen nach unten. Wer lange Ural gefahren ist, der kennt die russische Psyche seiner Maschine: Kurz vor der Kapitulation mobilisiert sie alle Kräfte und zeigt den Japanern, Amis, Deutschen (oder wo auch immer die anderen Motorräder herkommen), was eine rechte russische Seele ist. Also immer, wenn der Fahrer (resp. ich) aufgeben wollte, dann rollte die Ural noch weiter.
Nach einem kühlen Bier am Ufer des Gardasee schaute ich mir aber doch lieber »mal eben kurz« (Keine Sorge! Dauert nicht lange!) an, was denn da so schrecklich lärmte und entdeckte, dass das rechte Auslassventil (das neue!) definitiv kein Ventilspiel mehr aufwies und folglich nicht mehr richtig schloss! Die Zündungs-Explosionen konnten also ungehindert in den Auspuff ballern. Dies führte zwar zu den ungewöhnlichen Geräuschen und einem gewissen Leistungsverlust, machte sich im Fahrbetrieb aber ansonsten kaum bemerkbar.
Der Schaden konnte zwar schnell behoben werden, dennoch führte er zu vielen weiteren Kilometern theoretischer Ursachenforschung. Warum verschwindet das Ventilspiel so schnell? Den Grund sollte ich noch rausfinden, denn keine 50 bis 60 Kilometer später tauchten die Symptome erneut auf und nach weiteren 50 Kilometern geflissentlichen Ignorierens konnte selbst ich nicht mehr darüber hinwegsehen, dass ich wohl oder übel wieder das Werkzeug auspacken musste. Eine solche Ventilseinstellung »im Flug« dauerte etwa zwei Zigarettenlängen und ein kühles Bier, das ließ sich also gerade noch ertragen und vor dem Begleitpersonal auf dem japanischem Gefährt auch verantworten.

Am Rande der Po-Ebene hatte ich mir den Kopf aber schließlich soweit zermartert, dass ich nun doch mal genauer nachgucken wollte und den Zylinderkopf kurzerhand abnahm. Das Bild, das sich mir bot war ein Bild des Grauens: Der Ventilteller hatte sich bereits runde zwei Millimeter in den Sitz gegraben. Und je weiter er im Kopf versank, desto geringer wurde das Ventilspiel. Die einzige Reparaturmaßnahme, die mir in den Sinn kam, war, die Einstellschraube weiter in den Kipphebel drehen und die Federspannung durch unterlegen allerhand Unterlegscheiben (man hat ja immer viele viele merkwürdige Sachen im Beiwagen liegen) zu erhöhen! Das hat funktioniert! Dennoch war die gehärtete Fläche des (neuen) Ventilsitzes vollkommen aufgebraucht und das Ventil fraß sich ungehindert immer weiter in die Tiefe. Am Ende der Reise waren es dann ganze 8 Millimeter!!!

Nun, es fährt sich schon viel besser, wenn man weiß, warum, das Motorrad immer kaputt geht und fasst Vertrauen in den Rest der Fuhre, der ja bislang auch brav gehalten hatte.

Am nächsten Tag – nach einer Nacht in einem unbezhalbar teuren und unglaublich schrecklichen Hotel in Modena (nie da hin fahren!) – ging es endlich über die alte Brenner-Strecke durch die Berge. Traumhaft! Da machte das Fahren wieder so richtig Spaß. Und es störte auch gar nicht weiter, dass sich zum Ventilfraß-Problem nun auch eine sich langsam in Aluminiumspäne auflösenden Hinterradbremse gesellt. Hier hatte sich das Widerlager der Bremsbacken gelöst und dröselte sich seinen Weg durch die inneren Versteifungen der Alu-Bremstrommel. Das Problem kannte ich schon und wusste daher auch, was man tun muste: Nicht bremsen! Denn wenn man bremste, dann gab es direkt eine Vollbremsung mit blockierendem Hinterrad und schrecklich Mahlgeräuschen. Die Aluspäne rieselten Gott sei Dank nicht direkt zwischen Bremsbacke und Trommel, denn vorher wurden sie von dem Öl festgehalten, dass sich seinen Weg durch den Simmerring des Hinterachsgetriebes gebahnt hatte. Das gab dann eine konglomerate Masse aus Alu und Öl, die man einfach abwischen konnte. Ich hielt also dann und wann mal den Daumen unten, drehte am Ventilspiel und wischte das Öl-Alu-Gemisch von der schönen, verchromten Hinterradfelge.

Auf einer sehr langen Steigung, die ich mutig (das Ventil war ja frisch eingestellt) mit rund 70 Stundenkilometern nahm (ich hatte mich eigentlich entschieden, die 60 km/h bis nach Rom nicht mehr zu überschreiten), ging dann auch noch der Motor fest ... Was macht man dann? Man steigt ab, raucht eine Zigarette und tritt die Kiste nach ein paar Minuten wieder an. Ist es eine japanische Maschine, kann man damit meistens nicht mehr weiterfahren – ist es eine russische, dann läuft der Motor nach dem Kolbenklemmer eigentlich noch genauso wie vorher.
Warum geht der Motor auf einmal fest? Wegen des nicht mehr schließenden Ventils kann es natürlich sein, dass die Temperatur im Zylinder einfach zu hoch wird. Oder war es die Zündung?Der Motor lief eh' nicht mehr ganz so toll. Oder?

Als Hannes ein paar kühle Getränke holen ging (wir machten gerade ein Pause), da habe ich dann doch mal heimlich nachgeschaut und aus dem Zündgehäuse vorne auf der Nockenwelle lief ein ganzer Becher Öl, der da eigentlich gar nicht rein gehörte! Da war wohl noch ein Simmerring gestorben. Aber die Kontakte schließen und öffnen im Ölbad ja auch viel besser. Nur, dass das Fiberklötzchen am nagelneuen Zündkontakt irgendwie gar nicht mehr da war. Mit »Daumenpeilung« konnte ich Kontaktabstand und Zündzeitpunkt dann wieder ein wenig geradebiegen. Ich hatte schon gar keine Lust mehr, den Motor vernünftig einzustellen. War doch eh egal. Ist ja eh schon kaputt.

Nun, er ging mir auf der Fahrt insgesamt sieben mal fest, das Ventil hatte wie gesagt runde acht Millimeter aus dem Kopf genagt und die Hinterradbremse war vollständig zerbröselt.

Das seltsame Klappern und Rumpeln bei gezogener Kopplung war übrigens das Getriebe, dem ein Haltebolzen gerissen war. Wenn man die Kupplung zog, klapperte die »Naht« zwischen Motorgehäuse und Getrieb. Wieder ein Problem gelöst!

Ab diesem Zeitpunkt war die Fahrt dann eigentlich wunderschön. Ich brauchte mir ja keine Sorgen mehr zu machen, dass das Ding vielleicht liegenbleiben könnte! Wenn eine Ural in dem Zustand noch läuft, dann komme ich damit überall an!

Man konnte sich auch an den Rhythmus der Reparaturen am Straßenrand gewöhnen. Wenn es laut wurde, gab es ein Bier für uns und ein paar frische Unterlegscheiben unter die Ventilfedern. Wenn der Motor fest ging, dann konnte man die Natur betrachten, eine Zigarette rauchen und anschließend einfach weiterfahren.

Das Schöne ist: Ich habe die Ural nie repariert. Ich fahre sie fast täglich und sie springt immer noch zuverlässig an. Und da ich damit nur in der Stadt untewegs bin, machen sich die Problemchen auch kaum noch bemerkbar. Vor ein paar Wochen haben ein paar Jugendliche die Ural dann auch noch in Brand gesteckt. Das konnte aber Gott sei Dank (Gott war unser Nachbar mit einer Decke, die er über die Flammen warf) schnell wieder gelöscht werden und man sieht es auch kaum. Laufen tat sie danach natürlich immer noch. Das Zündschloss zerbröselte bereits im letzten Winter und nun klemme ich halt die Autobatterie ab, die im Kofferraum steht. Das ist viel zuverlässiger!

Nur bei Hannes' XT 550, da ist auf der fahrt scheinbar eine Vergaserdichtung kaputtgegangen. Da läuft ein wenig Sprit raus. Die Japanare sind halt auch nicht besser!

 

 

Ural, Dnepr, M72 »Russenmoppeds« ... da wurde dann auch gleich ein Buch draus.

Diese Internetseite wurde vor inzwischen rund zehn Jahre begonnen. Damals hatte ich mir einfach eine Ural gekauft, da ich nach vielen Jahren mit einer »echten« alten BMW einfach mal etwas Neues haben wollte. Nun, allerdings nichts wirklich »Neues«, sondern eben etwa altes aber dennoch neues ...

Ich glaube, so erklärt jeder den Kauf seines russischen Motorrads. Aber ich wollte ja eigentlich über diese Seite sprechen: Nach langer Zeit (von 1993 bis heute – 2007) und vielen vielen Kilometern (vor 140.000 km fiel der Tacho aus) kam einiges an Erfahrung zusammen und so füllte sich diese Internetseite immer mehr mit hilfreichen, interesssanten oder skurrilen Dingen – zusammengetragen von Gernot Brandt von Moto Moscow und von mir. Diese Texte wurden auf diesen Seiten veröffentlicht und von Euch kommentiert. Da kam eine Menge zusammen – und genauso sollen auch die neuen Buchprojekte entstehen. Sozusagen »interaktiv«. High Tech!

Aber niemand liest gerne seitenlange Texte vom Bildschirm ab. Daher erschien vor einem Jahr das Buch, sozusagen das Buch zur Internetseite und mittlerweile ist »Mit Hammer und Schlüssel« zu einem Standardwerk geworden und konnte sich über 4000 mal verkaufen. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir dabei geholfen haben und freue ich mich über alle Neuigkeiten zum Thema, die in den kommenden Neuauflagen berücksichtigt werden.

Wo es das Buch gibt? Im Handel oder bei www.mv-buchhandel.de

Der Titel: »Mit Hammer und Schlüssel – Über Sinn und Unsinn ein russisches Motorrad zu fahren« ISBN 3-936600-45-7, 160 Seiten, Leineneinband und Schutzumschlag, zahlreiche, teils farbige Abbildungen

 

Die »Errata-Seite« zum Buch (erste Auflage)

Aus den Zuschriften, die mich unter meister@schrauberseite.de erreichen, möchte ich die meist diskutierteste Kritik zum Buch an dieser Stelle veröffentlichen:

1. Der MT10 Rahmen, Seite 125

Auf Seite 125 (erste Auflage, Abbildung links) sieht man einen Rahmen mit geraden Heckrohren, den ich frank und frei als MT10 Rahmen deklariert habe, mit der Bemerkung, dass man in Kiew für die MT10 einen Rahmen eingeführt hatte, der dem Ural-Rahmen ähnlich ist.
Scheinbar stimmt dies nur zur Hälfte, denn die MT10 wurde mit einem normalen Rahmen ausgliefert, also mit dem typischen, geschwungenen Rahmen der MT9 oder MT11/MT16. Der von mir abgebildete Rahmen stammt allerdings aus dem Ersatzteilekatalog der MT10 und, definitiv nicht von einer Ural.

Die Frage bleibt also: Ist dieser Rahmen eine der Zahlreichen Änderungen in der Modellpalette, die nie in Serie gingen? Oder liegt hier ein Fehler im Ersatteilkatalog vor? Von welchem Modell stammt er dann?

Das war’s vorerst an Kritik (Seltsam). Ich bitte alle Uralschrauber, sich mit mir in Verbindung zu setzen, wenn sie vernünftige Tips für diese Seite und / oder die anderen geplanten Schrauberbibeln haben. Bitte keine »Schnickschnack-Tipps« wie Dosenhalter oder Zusatzspiegel. Ich interessiere mich vor allem für einfache, sinnvolle, technische Verbesserungen oder Umbauten.

Für weitere Tips empfehle ich übrigens gerne den Gernot von Moto Moscow unter www.moto-moscow.de.